Wer hilft, dem wird nicht geholfen

Die Bilder, die uns zurzeit aus Afghanistan erreichen sind verstörend. Dabei wird noch nicht einmal das ganze Ausmaß des Rückzugs der ISAF-Truppen innerhalb der aktuellen Debatten berücksichtigt. Lokale Partner:innen, die nicht als sogenannten Ortskräfte tätig waren, hoffen wahrscheinlich vergeblich auf eine Evakuirung aus Afghnaistan oder andere Unterstützung, obwohl sie oftmals jahrelang die deutsche Entwicklungszusammenarbeit überhaupt erst möglich gemacht haben.

Jenseits der menschlichen Tragödie, die sich dieser Tage vor unseren Augen in Afghanistan abspielt und uns tief berührt, werfen die Ereignisse auch Fragen für unsere Arbeit auf.

Zwar waren wir nie in Afghanistan tätig, aber den Großteil unserer Projekte führen wir in instabilen Regionen durch. Dabei fördern wir unsere Partner:innen vor Ort und ermutigen sie, sich (weiter) zivilgesellschaftlich und auch politisch zu engagieren und sich für eine friedliche Beilegung von Konflikten einzusetzen. Gemeinsam mit Ihnen entwickeln wir Projekte und setzen diese vor Ort um.  Dabei sind wir uns unserer Verantwortung bewusst und versuchen deswegen in regelmäßigen Gesprächen, das Gefährdungspotential das durch unsere Zusammenarbeit für unsere Partner:innen entsteht, zu reflektieren. Unsere Erfahrung und das aktuelle Beispiel aus Afghanistan zeigen, dass sie es sind, die unter Umständen mit gravierenden persönlichen Konsequenzen für unsere gemeinsame Arbeit einstehen (müssen).

Die Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren vor Ort ist glücklicherweise zentraler Bestandteil deutscher Außenpolitik geworden. Ausdrücklich gewünscht und gefördert wird dies durch die Budnesregierung und in unserem Fall durch das Auswärtige Amt.

Die unerträglichen Debatte darum, wer jetzt viel zu spät noch irgendwie ausgeflogen werden kann oder soll, wird dieser Bedeutung und den erbrachten Leistungen lokaler zivilgesellschaftlicher Akteur:innen in keinster Weise gerecht. So standen zunächst die Ortskräfte der Bundeswehr im Zentrum der Debatte. Erst seitdem Kabul unter Kontrolle der Taliban geraten ist, werden auch Ortskräfte, die im Rahmen der Entwicklungs- und Internationalen Zusammenarbeit mit Deutschen Partner:innen gearbeitet haben verstärkt erwähnt.

All diejenigen Afghan:innen, die für lokale Organisationen gearbeitet haben, die mit deutschen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen kooperierten und oftmals hauptverantwortlich die konkreten Aktivitäten innerhalb der Projekt durchgeführt haben, tauchen in der Debatte nach wie vor kaum auf.  Auf eine legale Einreisemöglichkeit nach Deutschland werden sie wohl vergeblich warten.  Letztlich müssen sie alleine und im Zweifel mit ihrem Leben dafür geradestehen, was als gemeinsames Projekt deutscher und afghanischer Partner:innen beschrieben wurde.

Diese Gedanken beschäftigen uns dieser Tage sehr und wir besprechen dies auch mit unseren aktuellen und vergangenen Partner:innen. Den Ausgang dieser Gedanken und deren Konsequenzen für uns und unsere Zusammenarbeit mit lokalen Partner:innen und für die Deutsche Außenpolitik als solche kennen wir derzeit noch nicht. Wir hoffen allerdings sehr, dass es insgesamt zu einem Nachdenken über Verantwortung, Respekt und Anerkennung gegenüber unseren lokalen Partner:innnen weltweit kommt, ohne die wir alle unsere Arbeit nicht machen könnten.