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11.02.2015

„Friedensbildung und Konfliktmanagement“ in Georgien

Eine friedliche Koexistenz in einer vielfältigen Gesellschaft fördern, eine demokratische Entscheidungsfindung verankern, wirksame Methoden zur friedfertigen Konfliktlösung etablieren - diese drei Ziele stehen für den vom Auswärtigen Amt geförderten Workshop „Friedensbildung & Konfliktmanagement“ in Georgien. Durchgeführt wurden die zwei Workshops von CRISP e.V. in Zusammenarbeit mit dem Institut für Auslandsbeziehungen (ifa).

In der Lobby eines kleinen Hotels im verschneiten Bakuriani, zwei Stunden von Tiflis entfernt, herrscht reges Treiben. „Ich möchte die neue Familie in unserem Dorf mit einer Anstellung bei mir im Laden unterstützen.“, lässt Beqa Managadze (22) in einem Interview verlauten. „Wenn die Familie bleiben will, sollte sie sich unserer Kultur anpassen“, heißt es auf der anderen Seite des Raumes von einer Teilnehmerin, die die Rolle des sogenannten Ältesten übernommen hat. 24 junge Georgier befinden sich inmitten eines Planspiels bei dem die Förderung von Integration auf lokaler als auch auf instutitioneller Ebene, sowie friedlicher und demokratischer Konfliktlösung im Mittelpunkt stehen.

 

 „Ich finde das Planspiel sehr realistisch, da es Ähnlichkeiten zu dem ursprünglichen Umgang mit Konflikten in meiner Heimat gibt“, sagt Teona Liparteliani (21), Jurastudentin in Tiflis. Sie stammt aus Svaneti, einer georgischen Gebirgsregion. „Es gibt ebenso Älteste die bei Konflikten hinzugezogen werden. Sie haben einen großen Einfluß auf die lokale Bevölkerung und in der Region stattfindende Prozesse.“

 

Die dreitägigen Workshops wurden von lokalen Trainern durchgeführt, die mit der politischen und gesellschaftlichen Situation Georgiens vertraut sind. „Wir haben die Teilnehmer gezielt aus allen Regionen Georgiens ausgewählt. Wir sehen die Teilnehmer als Multiplikatoren, die über den Multiplikatoreffekt die Inhalte über das Land verbreiten können“, sagt die leitende Trainerin, Teona Dalakishvili (CRISP).

 

Zusammen mit einer Mediatorin (CRISP) aus Deutschland wurden die Teilnehmenden an allgemeine Konzepte zum Thema Friedensbildung und Konfliktmanagement herangeführt. Sie lernten was hinter Konfliktverhalten liegt, wie Konfliktdynamiken entstehen und was nötig ist, um eine  Eskalation von Streitigkeiten zu vermeiden. Der Theorieinput wurde durch praktische Übungen im Umgang mit interpersonellen Konflikten ergänzt. Das über die Tage gesammelte Wissen konnten die Teilnehmenden sofort in dem Planspiel umsetzen und testen. „Ich war Beobachter und was mir sofort auffiel war, dass als erstes die 9 Eskalationsstufen, die wir zuvor durchgenommen haben, im Simulationsspiel angewendet wurden“, so Goga Khatiashvili (21). Neben der Konfliktanalyse, übten sie sich, mittels unterschiedlicher Kommunikationstechniken, darin die Bedürfnisse und Interessen der verschiedenen, im Planspiel abgebildeten, sozialen Gruppen zu erkennen und zu unterscheiden. Am Ende waren die Teilnehmenden in der Lage einen demokratischen Entscheidungsprozess zu finden und eine Eskalation des bestehenden Konflikts zu vermeiden.

 

Begeistert von den hilfreichen Tipps hinsichtlich ihrer eigenen gewaltfreien Kommunikations- und Konfliktlösungskompetenzen, fragten sie nach Material, um das Gelernte in ihrem Alltag zu nutzen und nicht zu vergessen. „Daher haben wir entschieden ein kleines Taschenbuch mit Schlüsselkompetenzen zum Thema Konfliktmanagement herauszubringen“, so Teona Dalakishvili.

 

Als zukünftige Experten auf diesem Gebiet interessierte einige Teilnehmenden darüber hinaus die erlernten Konfliktmanagementkompetenzen auf internationale Fälle zu übertragen. Dem widmete sich der letzte Teil des Workshops – Mediation als Vermittlungs- und Verhandlungsstrategie. Die Teilnehmenden  schlüpften in Rollen unterschiedlicher Länder, politischer Institutionen sowie Wirtschaftseinrichtungen und übten sich in kurzen VerhandlungenDie positiven Rückmeldungen der Teilnehmenden sowie die imens hohe Zahl von ca. 2000 Bewerbungen, die für die CRISP Workshops eingingen, zeigen, wie groß das Interesse und der Bedarf junger Georgier an solchen Workshops ist. „Georgien ist ein konfliktbehaftetes Land. Wir haben viele soziale Konflikte, Probleme mit Minoritäten, Integration und wirtschaftliche Probleme. Deshalb brauchen wir Menschen mit genau solchen Kompetenzen, die mit Konflikten die ihnen in ihrem Alltag begegenen umgehen und eine Eskalation vermeiden können.“ Daher wünscht sich Teona Dalakishvili, dass das Projekt in 2015 weitergeführt wird. „Allerdings wär ein längerer Workshop schön. Das Thema braucht mehr Zeit, da die Teilnehmenden ihre eigenen Erfahrungen mitbringen und die Diskussionen sehr tief gehen. Das Interesse der Menschen an dem Thema ist groß, nicht nur weil es sehr wichtig für unsere Gesellschaft ist, sondern auch für die aktuelle politische Situation.“