
Fachtag: Miteinander Reden! Aber Wie?
Am 5. Dezember 2025 haben wir im Rahmen des Projekts „Deutsch-Ukrainischer Dialog“ unseren Fachtag „Miteinander reden! Aber wie?“ durchgeführt - mit über 70 Teilnehmenden und vielen interessanten Impulsen aus der Dialogpraxis.
Im Mittelpunkt stand die Frage, wie wir in Zeiten von Social Media, Desinformation und politischer Zuspitzung dialogfähig bleiben, ohne naiv zu werden. In seiner Keynote zeichnete Dr. Eugen Pissarskoi eine „Utopie des konstruktiven Streitens“ und machte zugleich sichtbar, welche psychologischen, technologischen und politischen Faktoren konstruktive Debatten erschweren – und was dem entgegengesetzt werden kann.
Ein weiterer Höhepunkt war das Gespräch mit Gilda Sahebi über Spaltungserzählungen und die Dynamiken, durch die Polarisierung verstärkt wird – und warum uns in vielen Fragen oft mehr verbindet, als es im öffentlichen Diskurs erscheint. Gemeinsam konnten wir über ihr neues Buch „Verbinden statt Spalten“ reden.
Am Nachmittag konnten die Teilnehmenden in drei interaktiven Workshops vertiefen, wie Dialog in besonders herausfordernden Kontexten gelingen kann: in Alltagsgesprächen mit Andersdenkenden, im schulischen Umfeld zu Themen wie Nahost, White Power und Queerfeminismus sowie in einer VR-Konfliktsimulation, in der Konfliktfähigkeit praktisch erprobt und reflektiert wurde.
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurden unterschiedliche Perspektiven auf Dialog, Grenzen des Dialogs und die Frage „Wem nützt Polarisierung? Auf wen richte ich meinen Ärger? Und mit wem rede ich eigentlich“ zusammengeführt - mit Dr. Larissa Knöchelmann, Dr. Eugen Pissarskoi, Gilda Sahebi und Kateryna Pavlova.
Als zentrale Outcomes nehmen wir mit: Menschen sind in vielen Inhalten weniger polarisiert, als häufig angenommen wird - zugleich unterscheiden wir uns deutlich darin, wie wir mit konflikthaften Themen umgehen.
Polarisierung und Spaltungserzählungen dienen besonders autoritären Kräften. Und: Dialog bleibt möglich, aber er ist eine bewusste Entscheidung für ein potenziell anstrengendes Gespräch, in dem Grenzen immer wieder neu ausgehandelt werden. Genau diese Gleichzeitigkeit - Dialogfähigkeit und klare Grenzen - muss eingeübt werden, beginnend bei der eigenen Selbstreflexion: Wo liegen meine Triggerpunkte, und wie bleibe ich trotz Emotionen handlungsfähig?




